Zusammenfassung häufig gestellter Fragen (FAQ) zur UNRWA

➢ UNRWA-Mandat – Definition von Flüchtlingen und ihren Nachfahren – Lösungsansätze
Neutralität
Effizienz, Effektivität und Kontrolle

UNRWA-Mandat – Definition von Flüchtlingen und ihren Nachfahren – Lösungsansätze

F: Ist UNRWA eine politische Organisation?
A: Nein. UNRWA wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als ein ihr untergeordnetes Organ gegründet. Als Hilfswerk und humanitäre Organisation der Vereinten Nationen arbeitet UNRWA auf Grundlage der für Organisationen der Vereinten Nationen geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen, einschließlich der Charta der Vereinten Nationen. Außerdem ist die Arbeit des Hilfswerks in Übereinstimmung mit internationalen Prinzipien der humanitären Hilfe den Werten Neutralität, Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Menschlichkeit verpflichtet.
UNRWA wird von der Generalversammlung der Vereinten Nationen damit beauftragt, palästinensischen Flüchtlingen Hilfe und Schutz zu gewähren, bis eine gerechte und dauerhafte Lösung für ihre Notlage vorliegt. Das Tätigkeitsspektrum des Hilfswerks umfasst Bildung, medizinische Versorgung, Hilfs- und Sozialdienste, die Infrastruktur und Verbesserung der Flüchtlingslager, Mikrokredite und Nothilfe für palästinensische Flüchtlinge. Die Suche nach einer gerechten und dauerhaften Lösung für die Notlage palästinensischer Flüchtlinge ist die Aufgabe politischer Akteure und nicht Teil des UNRWA-Mandats.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat wiederholt auf die Notwendigkeit der Arbeit UNRWAs hingewiesen, ihre „essenzielle“ und „unentbehrliche“ Rolle betont, und das Mandat des Hilfswerks alle drei Jahre (zuletzt bis zum 30. Juni 2023) verlängert.
 
F: Kann UNRWA Einfluss darauf nehmen, wer als palästinensischer Flüchtling gilt?
A: Nein. Nur die Generalversammlung der Vereinten Nationen kann das Mandat der UNRWA ändern und entscheiden, wen dieses Mandat adressieren soll. Damit obliegt der Generalversammlung die Festlegung, wer als palästinensischer Flüchtling gilt.
Auf der Grundlage einer 1952 eingeführten Bedürftigkeitsdefinition bezieht sich UNRWAs Mandat durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen auf palästinensische Flüchtlinge als „Personen, deren normaler Wohnort in der Zeit vom 1. Juni 1946 bis 15. Mai 1948 Palästina war und die infolge des Konflikts von 1948 sowohl ihr Zuhause als auch ihre Lebensgrundlage verloren haben.”
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat UNRWA außerdem damit beauftragt, in Notfällen auch anderen Personen, die in den Einsatzgebieten UNRWAs humanitäre Hilfe benötigen, ihre Hilfsleistungen anzubieten. Der Auftrag des Hilfswerks umfasst dabei vor allem Dienstleistungen für Personen, die infolge der Feindseligkeiten ab 1967 vertrieben wurden. Diese Personen sind nicht als palästinensische Flüchtlinge registriert.
 
F: Ist die Übertragung des Flüchtlingsstatus auf Nachkommen einzigartig für die UNRWA?
A: Nein. Nach internationalem Recht und dem Grundsatz der Einheit der Familie gelten die Kinder von Flüchtlingen und ihre Nachkommen ebenfalls als Flüchtlinge, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist. Dieser Grundsatz gilt, wie von den Vereinten Nationen festgelegt, für alle Flüchtlinge. Sowohl UNRWA als auch der UNHCR haben auf dieser Grundlage Nachkommen als Flüchtlinge anerkannt.
Dabei unterscheiden sich Palästina-Flüchtlinge nicht von anderen Menschen in langwierigen Flüchtlingssituationen wie Afghanistan- oder Somalia-Flüchtlingen. Auch unter ihnen werden mehrere Generationen vom UNHCR als Flüchtlinge registriert und als solche unterstützt. Langwierige Flüchtlingssituationen sind ein Ergebnis des politischen Versäumnisses, Lösungen für zugrundeliegende Krisen zu finden.
Wichtig dabei ist, dass UNRWA gemäß der Genfer Konvention von 1951 selbst keinen Flüchtlingsstatus gewährt, sondern Dienstleistungen und Unterstützung auf der Grundlage einer Definition erbringt, die die Berechtigung zu solchen Hilfsleistungen beinhaltet.
 
F: Warum bemüht sich UNRWA nicht, eine Lösung für das Flüchtlingsproblem zu finden? Setzt UNRWA das Flüchtlingsproblem fort, indem sie das Rückkehrrecht fördert?
A: UNRWA ist eine humanitäre Organisation mit dem Auftrag, palästinensischen Flüchtlingen Hilfe und Schutz zu gewähren, bis eine gerechte und dauerhafte Lösung für ihre Notlage gefunden ist. UNRWA hat kein Mandat dafür, nach dauerhaften Lösungen wie die Integration in Aufnahmegemeinschaften oder Neuansiedlung in Drittländern zu suchen.
UNRWA ist nicht der Grund für die Existenz von Palästina-Flüchtlingen. Ursache für deren Flüchtlingsstatus ist die Abwesenheit einer gerechten und dauerhaften Lösung ihrer Notlage. Langwierige Flüchtlingssituationen sind ein Ergebnis des politischen Versäumnisses, Lösungen für die zugrundeliegenden politischen Krisen zu finden.
Das Rückkehrrecht ist in Resolution 194 der Generalversammlung der Vereinten Nationen verankert. Wir verstehen, dass die freiwillige Rückführung die bevorzugte Lösung des UNHCR für Flüchtlingssituationen weltweit ist. Das UNRWA ist jedoch eine humanitäre Organisation und hat im Gegensatz zum UNHCR keine Befugnis, nach dauerhaften Lösungen für Flüchtlinge, einschließlich der Rückkehr in Herkunftsländer, zu suchen. Andere Akteure der VN haben die Aufgabe, eine gerechte und dauerhafte Lösung für die Notlage palästinensischer Flüchtlinge zu ermöglichen.
 
F: Warum kann der UNHCR Flüchtlinge umsiedeln und UNRWA nicht? Warum ist der UNHCR nicht für palästinensische Flüchtlinge verantwortlich?
A: Im Gegensatz zum UNHCR ist UNRWA nicht befugt, langfristige und dauerhafte Lösungen für Flüchtlinge, einschließlich ihrer Neuansiedlung in Drittländern, zu suchen. UNRWA wird von der Generalversammlung der Vereinten Nationen damit beauftragt, Hilfsleistungen für Flüchtlinge in ihren fünf Einsatzgebieten zu erbringen, bis eine gerechte und dauerhafte Lösung für ihre Notlage vorliegt.
1949 richtete die Generalversammlung der Vereinten Nationen in Reaktion auf unterschiedliche Flüchtlingskrisen zwei verschiedene VN-Flüchtlingsagenturen ein – das VN-Büro des Hohen Flüchtlingskommissars (UNHCR) und das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA). Die Generalversammlung der Vereinten Nationen erteilte diesen Agenturen ergänzende Mandate zur Unterstützung und zum Schutz von Flüchtlingen.
Das UNRWA-Mandat erstreckt sich auf Hilfsleistungen für palästinensische Flüchtlinge in seinen fünf Einsatzgebieten: Westjordanland (einschließlich Ostjerusalem), Gaza, Syrien, Libanon und Jordanien. Daher fallen palästinensische Flüchtlinge in diesen Bereichen nicht unter das Mandat des UNHCR. Der UNHCR hat jedoch ein Mandat in Bezug auf palästinensische Flüchtlinge, wenn sie sich unter bestimmten Umständen außerhalb der UNRWA-Einsatzgebiete befinden.
Selbst wenn Palästina-Flüchtlinge unter das Mandat des UNHCR fallen würden, wären sie noch immer palästinensische Flüchtlinge und würden ihre Rechte gemäß Resolution 194 der Generalversammlung behalten, bis eine gerechte und dauerhafte Lösung für ihre Notlage vorliegt. Jede dauerhafte Lösung für Flüchtlinge, die vom UNHCR angestrebt wird, würde weiterhin davon abhängen, ob alle relevanten Parteien einer solchen Lösung zustimmen.
UNRWA stellt direkte Dienst- und Hilfsleistungen zur Verfügung. Den Kern dieser Leistungen bilden Bildungs- und Gesundheitsdienste, die für die menschliche Entwicklung der Palästina-Flüchtlinge von wesentlicher Bedeutung sind. Der UNHCR ist kein direkter Dienst- und Hilfsleistungsanbieter, er ist nicht als solcher aufgestellt. Ein direkter Vergleich der Budgets beider Hilfswerke und des für die Erfüllung der jeweiligen Mandate erforderlichen Personals täuscht. UNRWA fungiert als quasi-staatlicher Akteur, der staatsähnliche Dienstleistungen erbringt. Der UNHCR bietet Schutz und Unterstützung, seine Hilfsprogramme werden über meist lokale Partnerorganisationen mit weltweit Tausenden von Mitarbeitern ausgeführt. Beide sind daher kaum vergleichbar.

Neutralität

F: Wie stellt UNRWA sicher, dass Schulen Werte der VN wie Toleranz, Menschenrechte und Neutralität fördern?
A: Im Jahr 2013 hat UNRWA einen Rahmenplan für Analyse und Qualitätsimplementierung des Lehrplans (Curriculum Framework) eingeführt. Dieser Rahmenplan betont die Bedeutung der Werte der Vereinten Nationen wie Neutralität, Menschenrechte, Toleranz, Gleichheit und Nichtdiskriminierung in Bezug auf Rasse, Geschlecht, Sprache und Religion für den gesamten Lehr- und Lernprozesses in UNRWA-Schulen. Er stellt auch sicher, dass der an UNRWA-Schulen unterrichtete Lehrplan das palästinensische Erbe und die palästinensische Kultur der Schüler anerkennt und ihren Lernbedürfnissen entspricht.
Das Rahmenwerk wurde unter aktiver Einbeziehung aller Bereiche entwickelt, von internationalen Lehrplanentwicklungsspezialisten des International Bureau of Education (IBE) der UNESCO und von Mitarbeitern des UNRWA-Hauptquartiers für Bildung ermöglicht und von Mitarbeitern aus den Bereichen Recht, Gender und Behinderung unterstützt.
Seit dem Jahr 2000 setzt UNRWA Menschenrechtserziehung durch sein international anerkanntes Programm für Menschrechte, Konfliktlösung und Toleranzerziehung (HRCRT) um. Die Vision dieses Programms besteht darin, eine Menschenrechtserziehung anzubieten, die es palästinensischen Schülern ermöglicht, ihre Rechte wahrzunehmen und einzufordern, Menschenrechtswerte zu achten, stolz auf ihre palästinensische Identität zu sein und einen positiven Beitrag in ihrer Gesellschaft und der globalen Gemeinschaft zu leisten. Darüber hinaus verfügen alle 708 UNRWA-Schulen über ein demokratisch gewähltes Schülerparlament, das eine Kultur des Respekts und der Toleranz fördert und eine wirksame Rolle in den Schulen und in der Gemeinde spielt. 2017 richtete UNRWA das erste überregionale UNRWA-Schülerparlament mit Vertretern aus der Westbank, Ostjerusalem, Gaza, Jordanien, dem Libanon und Syrien aus.
 
F: Wie stellt UNRWA sicher, dass die Schulbücher, die es in seinen Schulen verwendet, die Werte der Vereinten Nationen fördern?
A: Durch ein starkes System zur Überprüfung der Lehrbücher der Gastländer stellt UNRWA sicher, dass die Bereitstellung von Bildung für seine Schulen Werte wie Neutralität, Menschenrechte, Toleranz, Gleichheit und Nichtdiskriminierung von Rasse, Geschlecht, Religion als Grundsätze der VN widerspiegelt.
Mit seinem Rahmenplan zur Lehrplanerstellung überprüft das Hilfswerk alle neu herausgegebenen Lehrbücher in seinen Aufnahmeländern auf der Grundlage von drei Überprüfungskriterien: Neutralität/ Voreingenommenheit (wird Partei ergriffen oder Kontroversen politischer, rassischer, religiöser oder ideologischer Natur Raum gegeben), Gender (Geschlechterstereotypen) und Altersangemessenheit (Inhalte, die gewalttätig, beängstigend oder ungeeignet für das Alter des Kindes sind). Dieses Kontrollsystem für Lehrbücher der Aufnahmeländer trägt maßgeblich dazu bei, dass UNRWA ihre Politik der Nulltoleranz gegenüber allen Formen von Rassismus und Diskriminierung aufrechterhalten kann.
Durch einen lehrerzentrierten Ansatz bereitet UNRWA seine Lehrer darauf vor, den Werten der Vereinten Nationen entsprechend und das kritische Denken der Schüler fördernd auf Probleme zu reagieren. Das UNRWA-Bildungspersonal erhält Begleitmaterialien, anhand derer es aus einer kleinen Anzahl von Optionen die Herangehensweise an die spezifischen Aufgaben in den Schulbüchern wählen kann, die für seine Schüler am besten geeignet ist. Das UNRWA-Bildungspersonal ist in der Verwendung dieser Materialien geschult. Es ist für Lehrer obligatorisch, alle Aufgaben auch selbst lösen und einordnen zu können.
 
F: Wie verhindert UNRWA die Förderung von Antisemitismus und Hass in den Schulen?
A: UNRWA hat keinerlei Toleranz in dieser Hinsicht und verurteilt alle Formen von Rassismus und Voreingenommenheit. UNRWA verfügt über ein starkes und funktionsfähiges System zur Überprüfung der Lehrbücher der Aufnahmeländer, um sicherzustellen, dass die Bereitstellung von Bildung für die 525.000 Schüler seiner Schulen im Libanon, Jordanien, Syrien, Gaza und im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, die Werte und Grundsätze der Vereinten Nationen widerspiegelt. Dazu gehören Neutralität, Menschenrechte, Toleranz, Gleichheit und Nichtdiskriminierung in Bezug auf Rasse, Geschlecht, Sprache und Religion. Verhaltensweisen von UNRWA-Mitarbeitern, die gegen diese Grundsätze und Werte verstoßen, sind verboten und führen zu Disziplinarmaßnahmen in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen und Verfahren zur Bekämpfung von Fehlverhalten. UNRWA hält aktiv an seinem Null-Toleranz-Ansatz fest.
 
F: Welche Ergebnisse erbrachte die UNRWA-Überprüfung der Lehrbücher, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde herausgegeben wurden?
A: UNRWA überprüfte alle 149 von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) herausgegebenen Lehrbücher der Klassen 1 bis 9 für das Schuljahr 2018-2019 anhand von drei Kriterien: Neutralität/ Voreingenommenheit, Gender und Altersangemessenheit. Diese Überprüfung ergab, dass 3,6 % der Seiten Inhalte aufwiesen, die nicht mit den Werten der VN übereinstimmten.
UNRWA identifizierte problematische Passagen in den Lehrbüchern und stellte seinen Lehrkräften in Gaza und im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, Begleitmaterialien zur Verfügung, anhand derer sie aus einer kleinen Anzahl von Optionen die Herangehensweise an die spezifischen Aufgaben in den Schulbüchern wählen können, die für ihre Schüler am besten geeignet ist. Damit wird sichergestellt, dass der in der Schule unterrichtete Lehrplan den Werten der VN entspricht. Die Lehrer müssen in der Lage sein, alle problematischen Stellen selbst einordnen und berichtigen zu können.
 
F: Warum verwendet UNRWA die Lehrpläne der Aufnahmeländer?
A: UNRWA verwendet seit ihrer Gründung die Lehrpläne des Aufnahmelandes in ihren Schulen. Dies steht mit weltweiter VN-Praxis in Flüchtlingssituationen in Einklang und basiert auf Vereinbarungen mit den Gastländern und der UNESCO. Dies ermöglicht den Schülern, am Ende jedes Bildungsabschnitts staatliche Prüfungen abzulegen und in die Sekundarstufe II und die Hochschulausbildung des Aufnahmelandes überzugehen. UNRWA erstattet der Generalversammlung der Vereinten Nationen jährlich Bericht über sein Bildungsprogramm, das regelmäßig von dieser gebilligt wird. Palästina-Flüchtlinge erwerben seit den 1950er-Jahren Abschlüsse an UNRWA-Schulen. Ein Bericht der Weltbank zeigt, dass UNRWA-Schüler ihre Altersgenossen an öffentlichen Schulen in ihren Leistungen übertreffen.
 
F: Wie stellt UNRWA die Neutralität seiner Einrichtungen und Schulen sicher?
A: Neutralität bildet einen zentralen Aspekt für die Arbeit UNRWAs. Sie gewährleistet den humanitären Raum, den das Hilfswerk für den wirksamen Schutz und die Versorgung der Flüchtlinge benötigt. Angesichts der entscheidenden Bedeutung seiner Einrichtungen für die Versorgung palästinensischer Flüchtlinge mit Hilfsleistungen hat das Hilfswerk starke Neutralitätsstandards etabliert und strenge Prozesse entwickelt, um die Wahrung von Neutralität sicherzustellen.
Zu diesem Zweck verfügt UNRWA über klare Anleitungen und Dokumentationen darüber, was im Rahmen seiner Dienstleistungen zulässig ist. „Installation Manager“ sind dafür verantwortlich, dass die Umsetzungen dieser Anleitungen den Richtlinien entsprechen, die in den Neutralitätsrahmenbedingungen und im entsprechenden Handbuch festgelegt sind. Alle zwei Jahre werden alle UNRWA-Einrichtungen von leitenden Mitarbeitern der Agentur inspiziert und regelmäßige Routine-Nachuntersuchungen durchgeführt, um jederzeit die ausnahmslose Einhaltung von Neutralität sicherzustellen.
 
F: Was unternimmt UNRWA, um Neutralität von Mitarbeitern zu gewährleisten?
A: UNRWA verfügt über eine große Bandbreite an Prozessen und Mechanismen, um die Einhaltung des Neutralitätsgebots durch die lokalen und internationalen Mitarbeiter des Hilfswerks zu gewährleisten. Das gilt auch bei der Nutzung sozialer Medien. Mitarbeitern sind Äußerungen und Tätigkeiten untersagt, die mit der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit, die ihr Status als VN-Mitarbeiter erfordert, unvereinbar sind oder diese beeinträchtigen könnten. Wenn Verstöße gegen die Neutralität bestätigt werden, ergreift das Hilfswerk seinem Rechtsrahmen entsprechende Disziplinarmaßnahmen.
Alle UNRWA-Mitarbeiter werden außerdem regelmäßig angewiesen, nicht an politischen Aktivitäten teilzunehmen. Das beinhaltet auch die Bewerbung und Ausübung politischer Ämter sowie die Teilnahme an politischen Aktivitäten, die mit den Neutralitätsverpflichtungen unvereinbar sind. Regelmäßige Rundschreiben an Mitarbeiter in allen Bereichen, Erklärungen und Mitteilungen des Generalkommissars und der Operationsdirektoren sowie das für alle Mitarbeiter zugängliche Online-Portal der UNRWA sollen diese Anweisung wiederkehrend vermitteln.
Das Neutralitätsgebot ist eine Frage der betrieblichen Notwendigkeit. Die Folgen einer Beteiligung oder des Parteiergreifens von UNRWA-Mitarbeiter in Konflikten können schwerwiegend sein, vor allem, was die Gewährleistung des uneingeschränkten Zugangs zu ihren Begünstigten und die Unverletzlichkeit der Einrichtungen des UNRWA angeht.
 
Welche Schritte unternimmt UNRWA gegen Terrorismus?
UNRWA verurteilt alle Formen von Terrorismus und gewalttätigem Extremismus. Als neutrales und unparteiisches VN-Hilfswerk, das humanitäre Hilfe leistet, verfügt UNRWA über den rechtlichen Rahmen für Operationen, VN-Neutralität gegenüber Mitarbeitern, Dritten, Partnern, der Nutzung von UNRWA-Einrichtungen und der Bereitstellung von Hilfsleistungen für seine Begünstigten zu sichern.
Das Prinzip des Neutralitätsgebots beinhaltet auch, dass Personen, die auf der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erstellten Sanktionsliste aufgeführt sind, von den Hilfsleistungen UNRWAs ausgeschlossen sind. Regelmäßig werden auch die Namen aller UNRWA-Mitarbeiter, registrierten
palästinensischen Flüchtlinge, Empfänger von Mikrokrediten, Lieferanten und anderer Zahlungsempfänger mit dieser Liste abgeglichen.
Auf Anfrage werden den Regierungen Libanons, Syriens, Jordaniens, Israels und der palästinensischen Autonomiebehörde jährlich Listen aller Mitarbeiter zur Verfügung gestellt.

Effizienz, Effektivität und Kontrolle

Ist UNRWA eine effiziente Organisation?
Ja, und UNRWA sucht fortlaufend nach neuen Wegen, um noch effizienter zu arbeiten. Die Steigerung seiner Kosteneffizienz ist in der mittelfristigen Strategie 2016-2021 des Hilfswerks verankert. Die Reform- und Effizienzleistungen UNRWAs wurden von der Gebergemeinschaft, einschließlich der EU, Schwedens, der Niederlande, Australiens, und Norwegens, sowie vielen anderen Mitgliedstaaten dokumentiert und anerkannt. In den letzten vier Jahren (seit 2015) führte dies zu Effizienzgewinnen, die trotz bereits vorhandener hoher Effizienz und einer wachsenden Flüchtlingsbevölkerung mit steigendem Bedarf aufgrund von Konflikten, Vertreibung, Besatzung und sich verschlechternden sozioökonomischen Bedingungen Einsparungen von 500 Mio. USD ermöglichten.
Eine solide Finanzdisziplin und Einschränkungen des Haushaltswachstums in einer Reihe von Bereichen (einschließlich eines umfassenden Einstellungsstopps im Jahr 2017), fortgesetzte Reformen in Beschaffungs- und Programmbereichen wie der Größe des Klassenzimmers und andere handfeste Maßnahmen haben zu einer Steigerung der Kosteneffizienz des gesamten Hilfswerks geführt. Die kürzlich durchgeführte unabhängige Bewertung durch ein Geberkonsortium, das Multilateral Organization Performance Assessment Network (MOPAN), die 2019 veröffentlicht wurde, qualifizierte das Hilfswerk als „kompetent, belastbar und entschlossen“ und würdigte die Bemühungen UNRWAs, die Effizienz ihrer Programme in den Bereichen Bildung, medizinische Versorgung, Hilfs- und Sozialdienste, Infrastruktur und Verbesserung der Flüchtlingslager sowie Mikrokredite zu steigern.
 
F: Wie effizient ist das Personalmodell UNRWAs?
A: Das Personalmodell UNRWAs ist sowohl hinsichtlich der Lohnskala als auch des Verhältnisses von lokalem zu internationalem Personal kostengünstig.
UNRWA beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter vor Ort, von denen die überwiegende Mehrheit palästinensische Flüchtlinge sind. Sie werden gemäß einer Gehaltsskala bezahlt, die an die jeweiligen Lohnniveaus der nationalen Regierungen gebunden ist und unter der VN-Gehaltsskala für lokale Mitarbeiter liegt. Darüber hinaus wurden dem Hilfswerk im Jahr 2018 158 reguläre internationale Personalpositionen durch veranschlagte Beiträge aus dem regulären Haushalt der Vereinten Nationen finanziert.
 
F: Wie schützt sich UNRWA vor Korruption und stellt finanzielle Best Practices sicher?
A: UNRWA verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Betrug und Korruption. In der UNRWA-Richtlinie zur Bekämpfung von Betrug und Korruption ist der Ansatz und das Engagement des Hilfswerks zur Verhütung, Aufdeckung, Abschreckung und wirksamen Reaktion auf Betrug und Korruption festgehalten. Die Richtlinie gilt für alle Operationen und Aktivitäten des Hilfswerks und für alle Mitarbeiter, Begünstigten, Regierungs- und Nichtregierungspartner und Lieferanten. Sie spiegelt UNRWA-Vorschriften, Regeln, Organisationsrichtlinien, Anweisungen und andere Teile des Rechtsrahmens der UNRWA wieder, einschließlich der Verhaltensstandards für den internationalen öffentlichen Dienst.
Der VN-Rechnungsprüfungsausschuss (UNBOA), der sich aus drei unabhängigen Obersten Prüfungsinstitutionen aus von der VN-Generalversammlung ausgewählten Ländern zusammensetzt,
überprüft alle UNRWA-Abschlüsse und führt jährlich Managementüberprüfungen durch. Seit 2012 veröffentlicht UNBOA uneingeschränkte Berichte. In ihnen wird festgestellt, dass der Jahresabschluss der UNRWA korrekt, fair und im Einklang mit internationalen Rechnungsstellungsstandards erfolgt ist. Die Berichte werden zusammen mit dem geprüften Jahresabschluss des Hilfswerks auf dessen Webseite veröffentlicht.
Zur Risikominimierung und um interne Kontrolle aufrechtzuerhalten, verwendet UNRWA ein von den Vereinten Nationen bestätigtes trilaterales Verfahren, das sich aus den operativen Managern des Hilfswerks, der Geschäftsleitung und der Abteilung für interne Aufsichtsdienste (DIOS) zusammensetzt. DIOS ist unter anderem dafür verantwortlich, Betrugs- und Korruptionsverdacht nachzugehen und das Bewusstsein für die Risiken von Betrug und Korruption durch Anleitung und/oder Schulung des UNRWA-Personals zu schärfen.
UNRWA ist auch Teil der gemeinsamen Inspektionseinheit des Systems der Vereinten Nationen, dem einzigen externen, unabhängigen Aufsichtsgremium des VN-Systems, das mit der systemweiten Durchführung von Inspektionen, Bewertungen und Untersuchungen beauftragt ist.
Die Finanzaufsicht über UNRWA obliegt ihrer beratenden Kommission, bestehend aus Aufnahmeländern und den größten Gebern des UNRWA sowie dem Unterausschuss für Finanzen des Hilfswerks. Wichtige Geber und Aufnahmeländer sind daher eng in die Vorbereitung von UNRWAs Zweijahresbudgets eingebunden, das dann von den zuständigen VN-Ausschüssen überprüft und der VN-Generalversammlung vorgelegt wird.
Bei sonstigen Fragen finden Sie unser erweitertes Glossar unter https://www.unrwa.org/who-we-are/frequently-asked-questions